3/01/2006
von Alex
Wir machen dort weiter, wo wir am Vorabend stehen geblieben sind: Ein 3-Minuten-Monolog, den Tine in die Videokamera spricht, und den ich mit Pauls Reaktion und seinem Versuch, mit ohrenbetäubendem Lärm auf sich aufmerksam zu machen, gegenschneiden möchte. Wir drehen mit zwei Kameras, Kamera A auf dem Dolly [?] fährt in einer weiten, symmetrischen Einstellung gaaaanz langsam an Nike ran, die auf der Matratze sitzt. Kamera B bleibt close [?], lange Brennweite aus der Ecke. Nach 30 Minuten ist die Sache gegessen und alle sind glücklich. Jetzt können wir endlich im Drehplan voranschreiten. Eine Reihe kurzer Detailshots [?] ist ebenso schnell im Kasten, dann folgt Tines erster Versuch, sich ihre Situation für Reportagezwecke nützlich zu machen. Mir gefällt, was ich sehe. Das Licht stimmt, die Aufnahmen ergeben in meinem Kopf nach und nach ein Gesamtbild, und Nike ist in Topform.
Für den späten Nachmittag steht noch eine Sequenz auf dem Programm, die ich unbedingt heute schaffen möchte: Tine stellt ihr Ultimatum an die vermeintlichen Entführer. Eine Szene, die wir bereits in der vergangenen Woche über den Monitor in Pauls Zimmer eingefangen haben, und die uns alle damals schwer beeindruckt hat. Jetzt (fast eine Woche später) müssen wir sie noch mal für die “Hauptkamera” rekonstruieren.
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Nach der Mittagspause steht aber zunächst eine Szene auf dem Programm, die ich vollständig auf Schnitt drehen möchte. Wir drehen schnell, und springen in der Chronologie der Szene wild umher. Für Nike heißt es meist nur, bits & pieces eines großen Ganzen darzustellen, und ich spüre, dass sie sich in meinen knappen, teils völlig zusammenhanglosen Regieanweisungen verloren fühlt. Andererseits weiß ich aber auch ganz genau, wie der Schnitt dieser Szene aussehen wird, und dass mir oft schon eine Kopfdrehung oder eine Handbewegung reichen, um zu kriegen, was ich will
Auf dem Weg zur Toilette stelle ich irgendwann am Nachmittag fest, dass Pauls Zimmer bereits zerlegt wird, und die Mauer “eingerissen” wurde. Licht fällt durch die großen Büroraum-Fenster. Wahnsinn, wie anders das Zimmer wirkt. Ich würde fast behaupten, es nicht wiederzuerkennen, nachdem ich es fast zwei Wochen lang nur mit roten Ziegelsteinen gesehen habe.
Wir kommen überraschend zügig voran und kommen pünktlich zur Ultimatums-Szene. Ich will Nike völlige Bewegungsfreiheit lassen, deshalb wird Tines Zimmer so hergerichtet, dass wir in alle Richtungen filmen können. Matthias G. und Mario bereiten die Steadicam [?] vor, dann lassen sich Nike, Kamera, Ton und ich in das Zimmer einsperren. Auf Anweisung von Peter müssen wir die Schuhe ausziehen, um Störgeräusche zu vermeiden. Der “kieselige” Boden fühlt sich erstaunlich angenehm an. Wir drehen drei Takes mit Steadicam, doch merken schnell, dass das Ergebnis alles andere als zufrieden stellend ist. Dass wir drei uns die ganze Zeit mit Nike bewegen, irritiert ihr Spiel; und ich stelle fest, dass ich mich mehr darauf konzentriere, einen Blick auf den kleinen Steadicam-Monitor zu erhaschen, als wirklich bei der Sache zu sein. Spontane Planänderung: Wir drehen vom Stativ. Und nach zwei Takes ist die Sache im Kasten.
Eine einfache Szene in einer Einstellung folgt noch, und wir sind – man mag es kaum glauben – nur 10 (in Worten: ZEHN!!!) Minuten über den geplanten Drehschluss von 19 Uhr hinausgeschossen… Und haben jede Verzögerung, die wir hatten, wieder aufgeholt. Das gibt ein entspanntes Drehschlussbier. Wenn da nicht noch das alte Drehortproblem wäre: Wir haben noch immer keine Location für die letzte Szene! Und keiner hat einen vernünftigen Vorschlag. Die Freude über den pünktlichen Drehschluss lässt uns aber in blinder Naivität über das Problem hinwegsehen, und jeder ist glücklich, mal früher nach Hause zu kommen. Ich nutze die Gelegenheit, im Kopf und anhand der Shot-List [?] alles gedrehte Material zu überschlagen, damit für den letzten Drehtag morgen auch nichts vergessen wird.
Dem frühen Drehschluss sei Dank, dass sich Tonmeister Peter noch entschlossen hat, in die Sneak Preview (Sommer vorm Balkon) zu gehen… und dabei eine passende Location im Hinterhof des Innenstadtkinos zu finden. Ich bin zu K.O., mir das noch anzusehen, aber ich vertraue darauf, dass das morgen hinhauen wird.
Thema: Aktuelles | Dreharbeiten
3/01/2006 @ 22:36 h