Kurz nach Sieben treffe ich an der Straßenbahn-Haltestelle auf Nike und Melli, die vom Hotel zu Fuß zum Set unterwegs sind. Ich nutze die Gelegenheit, mich den beiden anzuschließen, und wir genießen die eisige Stille, die an diesem Morgen noch über der Stadt liegt. Seit gestern fahren wir wieder im Plan, daher können wir am letzten Tag pünktlich mit der längsten zusammenhängenden Sequenz des Films beginnen: [Spoiler! Bitte markieren:] Tines Selbstmord! Insgesamt verteilt sich die Sequenz auf fünf Szenen und 28 Einstellungen [?], wobei wir viele Winkel durch zwei Kameras zeitgleich einfangen können.

Im Hinterkopf macht sich dennoch ständig der Außendreh bemerkbar, der heute noch irgendwie eingeschoben werden muss. Gerriet sieht die beste Gelegenheit nach der Mittagspause. Da hat sich die Eigentümerin des Drehorts bereits angemeldet, dass sie einem potentiellen Nachmieter die Räumlichkeiten zeigen möchte (ob das beim augenblicklichen Zustand der Zimmer eine gute Idee ist, sei mal da hingestellt). So lange müssten die Dreharbeiten sowieso ruhen. Der Außendreh wird minutiös geplant. Wir haben nur 60 Minuten. Zuvor muss Nike auf die fünfte Make-Up-Stufe geschminkt werden, hinterher wieder zurück. Gleich nach der Mittagspause bereiten Mario und Matthias die Steadycam [?] vor, wir laden ein paar Styros, die zweite Kamera, Nike, Melli (Fotos), Kim (Maske), Peter (Ton), Mario (Kameraassi), Matthias (Kamera) und mich in Marios Bus und düsen los zum Corso Kinocenter in der Innenstadt. Peters Gespür für einen optisch interessanten Drehort sei Dank: Der Hinterhof mit Treppenaufgang passt perfekt! Matthias schnallt sich die Steadycam um, und Nike… hat ihre Jackett vergessen!

Mist!

Schnell an der Hauptlocation anrufen! Ans Set-Handy geht keiner ran (Wozu haben wir das überhaupt ;) )! Ich erreiche Kristina (Skript/Continuity). Sie kümmert sich um das Problem. Wir machen einen halben Probedurchlauf, und Kristina ist schon da! Wow! Dann kann’s ja losgehen. Matthias muss mit der Steadycam rückwärts von der Treppe weg durch die Hofeinfahrt laufen. Peter mit Mikroangel neben ihm her. Einziges Problem: Die Hofeinfahrt ist zugeparkt, und es bleibt für alle nur ein schmaler Durchgang. Peter hat Schwierigkeiten mit der Angel, die beim Rennen immer wieder an die Mauer schlägt. Sechs Takes [?] sind schon draufgegangen, er entschließt sich für einen stummen Take und anschließendem Nur-Ton [?]. Wir drehen noch zweimal. Und die Sache ist im Kasten. Schnell wieder alles in den Bus. Und zurück zum Set.

Nike und Kim springen in die Maske, um Nike wieder auf die vierte Make-Up-Stufe zurückzuschminken. Allerdings brauchen wir alle, vor allem Nike, erstmal zwanzig Minuten, um wieder auf eine einigermaßen vernünftige Körpertemperatur zu kommen.

Für den Rest des Tages erwartet uns nur noch “Kleinkram”. Pünktlich um 20 Uhr knallen die Sektkorken: IT’S A WRAP!

Unfassbar, dass wir trotz der enormen Verzögerung, die wir vor zwei Tagen noch hatten, mit allem durch sind! Mit allem? Nicht ganz. Es fehlen einige Point-Of-View-Shots auf Pauls Monitor sowie Close-Ups [?] der Mäuse. Und während der Rest des Teams noch am Feiern ist, schnappen sich Matthias, Hanni und ich gegen 0:00 Uhr die Kamera und drehen - deutlich angeheitert - die fehlenden Aufnahmen. Um 2:30 Uhr können wir offizielle verkünden: Dieser Film ist abgedreht!

Ist nur keiner mehr da, um es zu hören!

Trotzdem ein dickes Dankeschön an die Crew, die über die letzten sieben Tage mit größtmöglicher Disziplin und Engagement dafür gesorgt hat, dass es eine tolle Zeit war. Selbst wenn es mal wieder länger gedauert hat!